Antonio Todaro

(1929 - 1994)
Antonio Todaro

Antonio Todaro übernahm von 1988 bis zu seinem Tod die Schirmherrschaft über unsere Unterrichtsmethode: "Tango vom Rio de la Plata©"

Tänzer und Meister

(Artikel von Irene Amuchástegui, aus: »Tango XXI«, Marzo 1994; Übers. A. Mága)
 

In der Entwicklung des Tango als Bühnentanz wachsen die erneuernden Strömungen nach ähnlich aufeinander folgenden Mustern. Bestimmte Tänzer und Meister prägen in jeder Epoche ganze Generationen von Professionellen. Sollte man die Geschichte des Tangotanzes anhand dieser Bezüge rekonstruieren, müsste man zumindest vier fundamentale Lehrer erwähnen: José Benito Bianquet - "El Cachafaz" - zu Beginn des Jahrhunderts; José Méndez in den 40ern; näher dann Juan Carlos Copes; und in der Dekade der 80er Antonio Todaro - "el Tano" oder einfach "el Maestro/ der Meister".

In der stilistischen Ausrichtung der großen Mehrzahl heutiger junger Tänzer erkennt man den ausschließlichen Einfluß Antonio Todaros, dem außergewöhnlichen Tänzer und Lehrer des ursprünglichen Tango. Schon vierzig Jahre zuvor war er im begrenzten Umfeld der populären Tänzer bekannt. Doch seit kurzem, mit Beginn der 80er-Jahre, beginnen sich auf den Bühnen von Buenos Aires und Europa die nach seinem Stil geformten Tänzer zu mehren. Einige, indem sie sich strikt als Wiederschöpfer von Todaros Persönlichkeit und Choreographien profilieren, andere mit einer persönlicheren Verarbeitung seines Materials. Alle aber eindeutig durch seine Schule geprägt.

Antonio Todaro wurde im Viertel Mataderos geboren und hat sich, obgleich er mehrere Male umgezogen ist, niemals weiter als im Umkreis von vier Blöcken entfernt. Obwohl er über die Dauer von vier Jahrzehnten Unterricht gab, war er viele Jahre auf seinen Beruf als Maurer angewiesen. Er pflegte zu sagen, dass er mit seinen Partnerinnen kein Glück hatte: Zwei seiner Mittänzerinnen sind jung gestorben. Eine ganze Zeit lang bildete er mit seiner Tochter ein gut erinnertes Tanzpaar:  (> youtube*), bis diese fünfzehnjährig beschloss, das Training aufzugeben.

Seltsamerweise erschien er nie auf einer Bühne: Sein Publikum war immer das der Milongas, der Tanztreffs, gelegentlich das der Kabarets (mit seinem Freund Virulazo, die Frau ersetzend, gab er legendäre Vorstellungen in Rosario). Noch sehr jung hat Todaro in der Schule der Méndez unterrichtet. Später gab er Stunden bei Arturito "dem König der Milonga". Er hörte nie auf in unterschiedlichen Salons Trainingsstunden zu organisieren, nicht einmal während der Jahre des größten Genrerückgangs in den 60er und 70er-Jahren, als der Tango praktisch zu einem Randkult geschrumpft war.

1986 hatte er seine Schule im Primera Junta. In diesen Salon kamen Miguel Angel Zotto und Milena Plebs, die zwar bereits zum erfolgreichen Ensemble der "Tango Argentino"-Show gehörten, als Tanzpaar aber noch auf Identitätssuche waren. Todaro trieb mit Zotto und Plebs eine profunde und intensive Arbeit voran (vier Trainingsstunden täglich), aus dem ein Stil hervorging, der schnell Aufmerksamkeit weckte. Schon bald nahmen auf Initiative von Claudio Segovia, dem Leiter von "Tango Argentino", die jungen Paare der Show Unterricht bei dem anonymen Meister. Im Fortgang kamen dann viele weitere Paare zu Todaro, Professionelle und Anfänger, darunter Erwachsene und Kinder.

Die Qualität seiner Tänzer machte ihn in Europa berühmt, in all jenen Städten, wo durch das Medium Tanz die Inbrunst für den Tango wächst. Innerhalb dieser wenigen Jahre, zwischen Deutschland, Holland, Belgien, Frankreich und Buenos Aires hin- und herreisend, hat er eine wahrhaftige Schule des Tanzes begründet. Eine ganze Generation brachte seinen Stil zum Glänzen, als die Verlockung des intimsten Tanzes wegen mangelnder Reize schwach geworden war, und in einigen Fällen die stilisierten Richtungen in unsinnige Formeln for-export abgedriftet waren.

Todaro hat für die Konzeption des Bühnentangos eine Erneuerung bewirkt, indem er eine Brücke zwischen dem populären Ursprung des Tanzes und der Ausarbeitung, wie sie die Bühne erfordert, gespannt hat. Aus dieser Vereinigung ergießt sich sein Stil, bestehend aus dem Wesen des ursprünglichen Tango und einem unerschöpflichen choreographischen Reichtum. Antonio starb im Februar 1994 mit fünfundsechzig Jahren.