Ein guter Salontänzer spürt
in vollem Ausmaß jede kleinste Bewegung der Frau sowie ihre Stellung
zu ihm und dem Raum, und führt nur das, was zwingend not wendig ist.
Damit besitzt er als
Führender nicht unbeschränkte Freiheit zu tun, was er will, sondern
Führung bedeutet, sich den Bedingungen der Bewegungen der Frau unterzuordnen
und die Verantwortung für die gemeinsame Fortbewegung in einer Gemeinschaft
tanzender Paare zu übernehmen. Der Mann führt mit dem Körper
indem er fortlaufend die richtige Position zur Frau einnimmt. Die Frau
steht auf ihren eigenen Füßen, beachtet jede Veränderung
ihres Gleichgewichtes und reagiert auf jeden Positionswechsel des Mannes
mit adäquaten Schritten, um ständig wieder über ihren Füßen
das Gleichgewicht zu finden. Gemeinsam bewegen sie sich in Tanzrichtung,
die genauso definiert ist, wie der Kreisverkehr auf der Straße. Die
Gemeinschaft tanzender Paare verstärkt in jedem einzelnen das Gefühl,
etwas Besonderes zu tun, so dass eine Atmosphäre entsteht, die einem
Ritual gleicht. In der Musik versunken und die Anwesenheit der Frau oder
des Mannes spürend, bewegen sie sich durch den Tanzsaal mit einer
Gewißheit, die hier alle teilen: es ist das Wissen des Mannes, dass
er ohne die Frau unvollständig ist, und es ist das Wissen der Frau,
dass sie ohne den Mann unvollständig ist. © Juan D. Lange
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